Wenn man die Synagogen im Krakauer Stadtteil Kazimierz besucht, kann man leicht vergessen, dass in ihnen noch vor kurzem das Leben pulsierte und dass sich um sie die dortige Judengemeinschaft sammelte. Die Remuh-Synagoge hält weiterhin die Verbindung mit der Vergangenheit aufrecht, indem sie das einzige tätige Zentrum des religiösen Lebens ist.
Sie ist ein sehr wichtiger Ort für viele Juden aus der ganzen Welt, die dorthin kommen, um am Grab des Rabbiners Mosche zu beten, des Autors des berühmten religiös-rechtlichen Werkes HaMapah (Tischdecke), das die aschkenasischen Sitten und Bräuche betrifft. Viele Pilger lassen auf seinem Grabstein Zettelchen mit den Bitten um die Fürsprache bei Gott. Der Name der Synagoge stammt vom Mosche Isserles, kurz Remuh genannt.
Das Gotteshaus wurde 1553 erbaut, es wurde jedoch durch einen Brand zerstört und 1557 wiederaufgebaut. Die jetzige architektonische Gestalt reicht bis ins Jahr 1829 zurück, als die Renovierungsarbeiten vorgenommen wurden.
Das ist die kleinste Synagoge in Kazimierz und sie hat ihre eigene einzigartige Atmosphäre. Die Eintretenden gelangen in einen gepflasterten Hof, umschlossen von weißen Wänden. Die in den Wänden eingemauerten Tafeln erinnern an die Verstorbenen - unter anderem auch an die Opfer des Holocausts.
Während der Naziherrschaft wurde das Innere des Gebäudes zerstört und der liturgischen Gegenstände beraubt. Nach dem Krieg wurde die Synagoge wiederum Eigentum der Jüdischen Glaubensgemeinde; Infolge der durch sie unternommenen Anstrengungen wurde 1957 das Vorkriegsaussehen der Synagoge wiederhergestellt.
Trotz Kriegszerstörungen sind einige originelle Elemente der Ausstattung der Synagoge erhalten geblieben, unter anderem der direkt hinter der Tür zum Gebetssaal stehende Opferstock aus dem XVI. Jahrhundert und der Aron HaKodesch aus dem Jahre 1558, in dem die Tora aufbewahrt wird.
Das auffallendste Element der Synagoge ist die Bima; eine genaue Rekonstruktion des vor dem Krieg vorhandenen kunstvollen Eisengitters grenzt von allen Seiten das Podium der Bima ab. Am Eingang hängen hölzerne, mit gemalten Reliefs verzierte Türen, die aus einer unbekannten (wahrscheinlich keiner Krakauer) Synagoge stammen und die in die Remuh-Synagoge nach dem Krieg eingesetzt wurden. Die Reliefs stellen die Menora, Krüge und Schalen, Blumen- und Obstkörbe dar.
Der anliegende Friedhof wurde in demselben Jahr wie die Synagoge angelegt und ist einer der ältesten in Polen. Er war bis 1800 geöffnet; obwohl es hier auch in den späteren Jahren Bestattungen gab, geriet der Friedhof allmählich in Vernachlässigung.
Während des II. Weltkrieges wurde der Friedhof fast völlig zerstört, und sein Gelände war als Mülldeponie genutzt. Bedeutenderweise ist eines der wenigen erhaltenen Elemente das Grabstein des Rabbiners Mosche (Remuh). Manche Juden halten diese Tatsache fürs Zeichen seiner Heiligkeit und Kraft.
1959 wurde der Friedhof renoviert und wiederhergestellt und in gleicher Form kann er heutzutage besichtigt werden. Die Mehrheit der dort stehenden Grabsteine wurde ausgegraben, jedoch nur wenige von ihnen befinden sich an ihren ursprünglichen Stellen. Aus Fragmenten der Grabsteine, die zu klein waren, um sie auf dem Friedhof wieder anbringen zu können, wurde die sogenannte Klagemauer zusammengesetzt.
Die Remuh-Synagoge und der Friedhof sind besondere Zeugnisse der Vergangenheit - eine Gedenksammlung und ein Pilgerort.
Öffnungszeiten und Preise:
Im Sommer ist die Synagoge von 9.00 bis 18:00 Uhr, im Winter (vom November bis April) bis 16:00 Uhr geöffnet. Im Winter wird sie manchmal früher geschlossen - dies hängt von dem Zeitpunkt des Sonnenuntergangs und von den stattfindenden Gebeten ab. Die Synagoge ist samstags und an jüdischen Feiertagen geschlossen.
Der Eintritt in die Synagoge und in den Friedhof kostet 5 Zl., und diese Gebühr wird für die Renovierung dieses Denkmals bestimmt.