Die Verfolgungen des jüdischen Volkes haben beinahe sofort nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Krakau begonnen. Seit November 1939 waren alle Juden ab 12 Jahren gezwungen, Armbinden mit Davidstern zu tragen. Ghettobewohnern war verboten, auf dem Bürgersteig zu gehen (sie gingen am Straßenrand), öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen und sich in Parks aufzuhalten. Sie wurden des Rechts beraubt, Pensionen und Renten zu beziehen, Synagogen wurden geschlossen. Sie wurden schikaniert und unaufhörlich mit nächsten Anordnungen der Besatzer gequält, die ihre Lage noch schlimmer machten.
Alle Juden im Alter von 14 bis 60 Jahren wurden zur Zwangsarbeit eingesetzt und zu besonders schwierigen und demütigenden Beschäftigungen gezwungen. Die Deutschen haben jüdisches Eigentum: Firmen, Geschäfte und Häuser übernommen und Kostbarkeiten und Kunstwerke beschlagnahmt.
Im April 1940, als der Befehl zur Aussiedlung der Juden aus Krakau erteilt wurde, wurden die meisten von ihnen aus der Stadt deportiert. Von der Population von ca. 64,000 Einwohner durften in Krakau nur 15,000 bleiben.
Das Ghetto in Krakau entstand am 3. März 1941, als Otto Wächter, Gouverneur des Distrikts Krakau, die Anordnung erlassen hat, dass "aus gesundheitlichen und polizeilichen Gründen" die Bildung einer "jüdischen Wohnsiedlung" notwendig ist. (Getto krakowskie 1941-1943, Anna Pióro. Veröffentlicht durch Historisches Museum der Stadt Krakau.)
Das Ghetto befand sich im Stadteil Podgórze, und auf seinem Gelände wurden insgesamt 18,000 Juden zusammengepfercht - nicht nur aus Krakau, sondern auch aus benachbarten Gemeinden. Vor der Bildung des Ghettos lebten dort ca. 3,000 Menschen.
Einer der polnischen Zeugen hat geschrieben:
"Wir mussten die Weichsel überschreiten, ähnlich wie viele andere Familien. An einem Ufer waren wir, die aus Podgórze kamen, auf dem anderen Juden, die aus Kazimierz kamen. Ich erinnere mich an die Stille dieses Umzugs. Diese Stille verwandelte sich in die von Seufzern überfüllte Trauer." (www.deathcamps.org)
Die Archiv-Filmmaterialien zur Umsiedlung sind im Amerikanischen Holocaust-Gedenkmuseum zugänglich.
Auf dem Ghettogelände befanden sich zwei Fabriken, die Madritsch-Fabrik auf dem Markt in Podgórze und die Optima-Werke, gelegen zwischen Węgierska-Str. 3 und der Krakus-Str. 7. Beide produzierten kriegswichtige Güter und setzten dabei die Ghettobewohner zur Zwangsarbeit ein. Es sind keine sichtbaren Spuren dieser Fabriken erhaltengeblieben, aber an dem Gebäude in der Krakus-Str. 7 ist stets das Originalschild 'Optima' zu sehen.(Die aus dem Film von Spielberg bekannte Schindlers Fabrik befand sich außerhalb der Ghettomauern).
Das Leben in Ghetto war ein endloser Alptraum - ein Leben in der Isolierung von der Welt, in Enge und Hunger. Die Krankheiten haben die Bevölkerung dezimiert. Die, die es wagten, das Ghetto zu verlassen, sind ums Leben gekommen. Die Strafe dafür war Erschießung.
Troz der im Ghetto herrschenden Bedingungen haben seine Bewohner ein solch tragisches Ende nicht geahnt. Im März 1942 haben die Deportationen in Vernichtungslager begonnen. Im Juni und Oktober 1942 erfolgten zwei größte Transporte von mehreren Tausenden von Menschen in die KZs. Die Transporte gingen vom Bahnhof Plaszow (Płaszów) ab, vorher wurden die Ghetobewohner auf dem Friedensplatz (Plac Zgody) gesammelt. Zur Zeit trägt der Friedensplatz den Namen 'Platz der Ghettohelden' (Plac Bohaterów Getta).
Auf dem Ghettogelände wurde unschuldiges Blut vergossen, da die Deutschen während der Selektion der Menschen in die Vernichtungslager Massaker begangen - Hunderte von Menschen wurden an Ort und Stelle getötet. Krankenhauspatienten und Kinder aus dem Waisenheim wurden erschossen. Vor der Deportation in die Lager wurden die Gefangenen in der Optima-Fabrik unter extremen Bedingungen ohne Wasser und Essen gehalten.
Zur endgültigen Auflösung des Ghettos kam am 13. und 14. März 1943: die Arbeitsfähigen wurden in den Konzentrationslager Plaszow gebracht, die alten und schwachen Menschen und Kinder (ca. 2000) wurden an Ort und Stelle erschossen, 2000 wurden nach Auschwitz-Birkenau deportiert, in den Lager in Plaszow wurden ca. 4000 Menschen vertrieben.
Sogar in diesen Bedingungen zeigten jedoch die Menschen Heldenmut und Widerstandsfähigkeit. Der bekannteste Fall ist die im Ghetto wirkende Apotheke von Tadeusz Pankiewicz; es funktionierte auch die sog. Jüdische Kampforganisation (Żydowska Organizacja Bojowa), jedoch im Zusammenhang mit dem tatsächlichen Leben im Ghetto waren ihre Angriffsmöglichkeiten stark beschränkt. Aus diesem Grunde war die Organisation außerhalb der Ghettogrenzen tätig. Nach dem Attentat auf das nur für Deutsche vorhebaltene Café "Cyganeria" wurden die Führer der Jüdischen Kampforganisation gefangen genommen und getötet.
Bis heute sind nur sehr wenige Spuren des Ghettos erhalten. Der wohl am besten merkliche Überrest sind Fragmente seiner Mauern an der Lwowska-Straße; dort wurde eine Gedenktafel angebracht mit der Aufschrift:
"Hier haben sie gelebt und gelitten und sind von den Nazi-Henkern ermordet worden. Von hier aus führte ihr letzter Weg in Vernichtungslager."
Besonderer Aufmerksamkeit wert ist auch das Mahnmal auf dem Platz der Ghettohelden - leere Stühle, gestellt auf dem Platz und an den Straßenbahnhaltestellen. Die Gedenkstätte wurde offiziell im Dezember 2005 eröffnet und ist das Werk von zwei Krakauer Architekten, Piotr Lewicki und Kazimierz Łatak.
Die Anregung und der Grund für eine solche weiträumige Stuhl-Installation war der Bericht des Zeugen damaliger Ereignisse, der im Buch von Pankiewicz "Die Apotheke im Krakauer Ghetto" (Apteka w getcie krakowskim) angeführt wurde. Beschrieben wurde das Bild der Straßen im Ghetto nach seiner endgültigen Liquidierung: ergreifendes Bild von Möbeln und anderem Hab und Gut, das die Bewohner hinterlassen haben, von denen die meisten ermordet oder in den Tod abtransportiert wurde.