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Auschwitz-Birkenau

Gibt es einen wichtigen Grund, um nach Auschwitz-Birkenau zu fahren? Es ist in den Fremdenführern kein empfohlener Ort unter dem Motto "sehenswert". Die Besucher von Kraków sagen oft, dass sie nicht dorthin fahren wollen, denn das würde sie nur deprimieren. Ist das wirklich so?

Die Emotionen, von einzelnen Personen an diesem Ort empfunden sind verschieden, denn der Besuch in Auschwitz - Birkenau ist eine subjektive Erfahrung; jedoch ist es möglich, dass es ein Gefühl gibt, das alle gemeinsam teilen: Misstrauen. Wenn wir uns die Exponate in Auschwitz ansehen, wenn wir die Größe des Geländes von Birkenau sehen, scheint es unmöglich, dass alles, was hier beschrieben und dokumentiert wurde, wirklich passieren konnte. Und doch ist es passiert - und aus eben diesem Grunde ist das ein Ort, den die Menschen besuchen und mit eigene Augen sehen sollen.

Das Lager, 1940 von den Nazis gegründet, wurde ursprünglich für das Festhalten polnischer politischer Häftlinge genutzt. Später wurden dort auch russische Kriegsgefangene, sowie auch Gefangene anderer Nationalitäten, inhaftiert. Jedoch wurde das Lager innerhalb von zwei Jahren zum Hauptort des Naziplans der Massenausrottung europäischer Juden.

Das Stammlager Auschwitz ist aufgrund seines berüchtigten Tores "Arbeit macht frei" bekannt und besteht sowohl aus den ehemaligen Gefängnisblöcken, wie auch den von den Deutschen genutzten Blöcken. Diese Blöcke werden für die Präsentationen der ständigen Ausstellungen genutzt, die die Holocaustopfer unvergessen machen. Es gibt jedoch einen deutlichen Unterschied zwischen dem, was das Museum Auschwitz mit dem Namen der allgemeinen Ausstellung bezeichnet, und den Ausstellungen, die den einzelnen Ländern und ethnischen Gruppen gewidmet sind, in deren Vorbereitung moderne Kunstmethoden eingesetzt werden, Beleuchtung, sowie audiovisuelle Materialien.

Zum Beispiel ist ein Teil der Ausstellung, gewidmet dem Schicksal der slowakischen Juden, ein etwa 20 Minuten langer ausgezeichneter Dokumentarfilm mit dem Titel "Erinnerungen". Wie der Titel selbst suggeriert, enthält der Film die Berichte der ehemaligen Auschwitz-Gefangenen, die die Ankunft im KZ beschreiben, die Arbeit, die sie verrichten mussten und die unmenschliche Grausamkeit ihrer täglichen Existenz.

Die wohl am ungewöhnlichsten und vielschichtigste Ausstellung, unter dem Gesichtspunkt des Projekts, ist die der ungarischen Juden. Das gedämpfte Licht gibt dem Raum einen klaustrophobischen Charakter, und im Hintergrund ist ein ständiges Geräusch hörbar, welches an das Schlagen des menschlichen Herzens erinnert.

Ein Teil der Ausstellung, den Transport der ungarischen Juden betreffend, ist außergewöhnlich bewegend. Drei Glasplatten, deren Anordnung so projektiert wurde, dass sie wie Elemente des Transportwaggons aussehen, wurden auf einer transparenten Unterlage platziert, unter der ein Fragment der Bahnschienen verläuft. Die Besucher haben die Möglichkeit, durch die Installation zu gehen - sie werden dann sehen, dass für die Füllung des Gleiszwischenraumes zerbrochenes Glas benutzt wurde.

Diese Exposition erinnert nicht nur über die Transportart der Häftlinge, sondern auch über die Entsetzung und das Leiden derer, die auf eben diese Art befördert wurden.

Die Gefahr, dass Kunst oder künstlerisches Projektieren den eigentlichen aufzeigenden Charakter przekaz der Ausstellung verschleiern könnte, wird sehr schnell abgewendet. Es reicht, auf die Fotos der ehemaligen Gefangenen des KZ Bergen-Belsen vor und nach der Verhaftung zu sehen - auf dem ersten ist eine glückliche und gesunde Frau zu sehen, auf dem nächsten ein abgezehrtes menschliches Wesen. Es ist ein wirklich erschreckendes Bild, das viel aussagt über die Behandlung der Gefangenen und das Ausmaß menschlicher Grausamkeit.

Die allgemeine Ausstellung in Auschwitz ist weder einer künstlerischen Konzeption untergeordnet, noch nutzt sie audiovisuelle Materialien, und die schwache Intensität des Lichts verbindet sich eher mit der Notwendigkeit des Schutzes der Exponate vor der Zerstörung.

Die hier gesammelten Haufen menschlicher Haare, Kinderkleidung, Schuhe, Taschen und Prothesen gehörten den Menschen, die nicht einfach ermordet wurden, sondern Teil des Ausrottungsprogramms wurden. Das, was alles noch unglaubwürdiger macht, ist das Ausmaß dieser Operation, ihre Effektivität sowie die Tatsache, dass nichts, was von irgendwelchem Wert war, vergeudet wurde (die Haare wurden der Textilindustrie verkauft) - und alles wurde im Namen der kranken Ideologie vorgenommen.

Die Besucher haben auch die Möglichkeit zu sehen, wie das Leben der Gefangenen ausgesehen hat. In einem der Räume werden die von ihnen benutzten Strohmatratzen gezeigt, im nächsten die Ausstattung der Waschräume; man kann auch die Nachbildungen von Baracken aus dem Lager Birkenau sehen. Zugänglich gemacht werden auch künstlerische Arbeiten ehemaliger Gefangener, die den Lageralltag verbildlichen, sowie ausführliche Informationen zum Thema des Lebens in Auschwitz - angefangen mit dem Vorlesen der Anwesenheitsliste, und abgeschlossen mit den verschiedensten Torturen.

Im Block 11, gekannt als "Todesblock", kann man immer noch den original erhaltenen Erdgeschossteil, sowie die unterirdischen Zellen sehen. Eben dort wurden die ersten Experimente zur Massentötung durchgeführt, als 600 sowjetische Kriegsgefangene und 250 Häftlinge aus dem Lagerkrankenhaus unter Einsatz von Zyklon-B ermordet wurden. Die charakteristische Aussicht der Zellen selbst und die zu ihnen führenden schmalen Gänge verursachen einen wirklich erschütternden Eindruck.

Das Lager Birkenau unterscheidet sich entschieden vom Stammlager Auschwitz. Eben hauptsächlich hier, und nicht in Auschwitz, wurde die Ausrottung vorgenommen. Ohne Rücksicht darauf, ob wir zu Fuß oder mit dem Bus ins Lager gelangen, sind die ersten ins Auge fallenden Objekte die am Zaun entlang platzierten Wachttürme, sowie ein anderes unrühmliches Erkennungszeichen von Birkenau - das Haupttor, samt den hindurch verlaufenden Bahngleisen, die ins Innere des Lagergeländes führen.

Die Zahl der in Auschwitz-Birkenau verschlungen menschlichen Existenzen wird wohl nie festgestellt werden, jedoch sprechen Schätzungen von 1 100 000 bis 1 500 000 Opfern, und das Lager in Birkenau scheint alle Kriterien zu erfüllen, um imstande zu sein, einmalig Zehntausende Personen zu beherbergen - der Fremdenführer gibt an, dass hier im August 1944 etwa 100 000 Häftlinge festgehalten wurden.

Die Besucher des Lagers können die Bedingungen sehen, in denen die dort festgehaltenen Menschen lebten. Unmöglich, dass die Baracken, in denen sie wohnten, ihnen irgendwelchen Schutz boten vor dem frostigen polnischen Winter. Rundherum sind Informationstafel platziert, betreffend das Lagerleben, sowie die Erklärungen, was in den einzelnen Teilen von Birkenau passierte.

Ein wesentlicher Teil des Komplexes wurde zerstört. Ganz am Ende des Lagers haben sich lediglich die Überreste der Krematorien erhalten, gesprengt durch die sich zurückziehenden Nazis, die die Spuren ihrer Tätigkeit verwischen wollten. In diesem Teil des Lagers, Am Internationalen Denkmal der Opfer des Konzentrationslagers Auschwitz, befinden sich auch die Gedächtnistafel in verschiedenen Sprachen.

Zufahrt und Öffnungszeiten:

Auschwitz liegt etwa 60 km von Kraków entfernt und man kann auf mehrere Weisen dorthin gelangen.

Auf der Strecke Kraków - Oświęcim fahren Züge, obwohl nicht so oft, wie man das erwarten könnte. Um eine Verspätung zum Rückzug zu vermeiden, lohnt es sich, sofort die Verbindungen aus Oświęcim nach Kraków zu prüfen. Die Bahnstation in Oświęcim ist im Vergleich zu den übrigen auf der Strecke ziemlich groß - also ist es eher schwierig, an einem falschen Ort auszusteigen.

Aus Oświęcim selbst raten wir, zuerst nach Auschwitz (und nicht Birkenau) zu kommen. Die Bushaltestelle befindet sich gleich auf der anderen Seite des Bahnhofs, und die Informationen, ob der Bus in die Richtung des Museums fährt, kann man beim Fahrer erhalten.

Nach Oświęcim kann man auch mit dem Bus gelangen. Der Busbahnhof befindet sich hinter der Bahnstation Kraków Główny (Hauptbahnhof) in der Bosacka-Straße. Mit dem Bus kann man direkt ins Museum gelangen, aber die Fahrtzeit ist länger. Die Personen, die keinen öffentlichen Transport nutzen wollen, können in organisierten Gruppen nach Auschwitz kommen.

Das Museum Auschwitz versichert die kostenfreie Überfahrt nach Birkenau mit dem Pendelbus; in der Winterzeit (November-März) fahren die Busse seltener. Wenn es im gegebenen Augenblick keine günstige Verbindung nach Birkenau gibt, kann man ein Taxi nehmen.

Aus Birkenau führt ein gerader Weg zurück zum Bahnhof - man kann dorthin innerhalb von 20-30 Minuten kommen. Die lokalen Busse fahren nicht allzu oft, deswegennutzen die Besucher von Birkenau eher die Taxis, sowie Busse, die auf der Strecke Auschwitz - Birkenau fahren, um zurück zum Bahnhof zu kommen.
Der Eintritt ins Museum ist kostenlos. Das Museum ist sieben Tage die Woche geöffnet (mit Ausnahme von Weihnachten, Neujahr und dem Ostersonntag) in den Zeiten: